Töpferhandwerk in der Magna Graecia

→ Anne Segbers

Das Töpferhandwerk stellt einen zentralen Faktor der antiken Wirtschaft dar. Produkte aus Ton, seien es Gefäße, Plastiken oder Baumaterialien wie Ziegel oder architektonische Verkleidungen, gehörten zu den wichtigsten materiellen Gütern und wurden zu allen Zeiten und in allen Kontexten intensiv verwendet. Dementsprechend zahlreich sind die Abhandlungen über die keramischen Funde fast aller archäologischen Fundstellen. Ebenso häufig wird über mögliche Produktionsorte der Keramik spekuliert, jedoch fast ausschließlich anhand von Fundkonzentrationen sowie antiken Schriftquellen, die über bestimmte, weithin bekannte Produkte einer Stadt oder Siedlung berichten. Immer häufiger werden auch archäometrische Untersuchungen, die aufgrund von Analysen der Zusammensetzung des Tons Auskunft über seine Herkunft geben können, angewendet.

Gegenstand der Dissertation sind die Produktionsorte selbst, die Töpferwerkstätten.

Diese lassen sich im archäologischen Befund in erster Linie durch Töpferöfen, jedoch auch durch Becken zur Aufarbeitung von Ton, Wasserleitungssysteme und spezielle Räume sowie Fehlbrände (zu heiß gebrannte, teils verformte Keramik) und Werkzeuge nachweisen. Der geographische und chronologische Schwerpunkt liegt auf den griechischen Kolonien Unteritaliens. Ziel ist es, die Töpferwerkstätten umfassend zu dokumentieren, in ihren architektonischen und urbanistischen Kontexten zu analysieren und zu vergleichen und Arbeitsprozesse zu rekonstruieren, um einen Beitrag zur Technologie- und Wirtschaftsgeschichte leisten zu können. Dies geschieht sowohl auf Grundlage zahlreicher, bereits publizierter Kontexte als auch neuer Daten, die in den Archiven der italienischen Antikenverwaltungen gesammelt wurden.

Die gleichzeitige indigene Produktion und das Handwerk in der Phase der Romanisierung werden ebenfalls untersucht. Die Produktionsstätten der indigenen Völker Süditaliens sind gerade im Hinterland der griechischen Koloniestädte wie Metapont oder Herakleia sowie in Apulien recht gut dokumentiert und können Hinweise auf Technologietransfers und indigene Nachahmungen griechischer Produkte geben.

Die Zeugnisse römischer Zeit werden zudem aufgenommen, um zu untersuchen, ob es mit der Eroberung des Gebietes der Magna Graecia durch die Römer, der Neugründung zahlreicher Kolonien und dem Ausbau des Handelsnetzes im Bereich der Produktion zu einer Veränderung kommt oder die Strukturen weitgehend gleich bleiben. Zeitlich soll hier jedoch nur die Romanisierungsphase des Gebietes aufgenommen werden, da sich in der hohen Kaiserzeit die Wirtschaftsfaktoren so radikal verändern, dass eine Vergleichbarkeit nicht mehr gegeben ist.

 

 

Bild links und rechts: Töpferöfen aus dem Viertel „Centocamere“ in Lokroi Epizephyrioi

 

Dissertationsprojekt
Betreuer: Prof. Dr. Martin Bentz, Prof. Dr. Andreas Zimmermann