Studien zum Innovationstransfer in der Urgeschichte – unter besonderer Berücksichtigung seiner Rolle als möglicher Auslöser von Migrationsprozessen

→ Dr. Silviane Scharl

Die Diffusion von Ideen, Techniken und kulturellem Verhalten hat einen grundlegenden Beitrag zur Entwicklung menschlicher Gesellschaften geleistet. Diese Ausbreitungsprozesse werden getragen von Mobilität in unterschiedlicher Form. Auf der einen Seite stehen Migrationsprozesse, definiert als irreversible Wanderung von Bevölkerungsgruppen von einem Gebiet in ein anderes. Auf der anderen Seite steht der Transfer von Wissen und Ideen, der auf Formen von Mobilität basiert, die eine Rückkehr zum Ursprungsort mit einschließen. Diese unterschiedlichen Formen von Mobilität korrelieren eng mit dem konkreten Ablauf von Diffusionsprozessen. Sie beeinflussen nicht nur die Prozessgeschwindigkeit, sondern auch die einzelnen Phasen, die durchlaufen werden. Neben Mobilität sind weitere Faktoren zu nennen, die auf die Diffusion von Innovationen einwirken können, darunter die Bevölkerungsdichte bzw. der Grad der Vernetzung zwischen Bevölkerungsgruppen oder die soziale Gliederung einer Gesellschaft.

Übergeordnetes Ziel des Habilitationsvorhabens ist es, in einem vergleichenden Ansatz Diffusionsprozesse auf zugrunde liegende Muster hin zu untersuchen. Im Kontext der Fragestellung des SFB 806 – das Habilitationsvorhaben ist als Teilprojekt (D5) eingebunden in den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten SFB 806 „Our way to Europe“ – soll zudem untersucht werden, inwieweit die Diffusion ausgewählter Innovationen auf die Mobilität von Bevölkerungsgruppen zurückwirkt.

Durch die Analyse der Rahmenbedingungen von Innovationstransfer und durch die Suche nach Korrelationen zwischen diesen und dem Diffusionsprozess soll der Frage nachgegangen werden, welche Faktoren den Prozessablauf beeinflussen. Zugrunde liegt die Hypothese, dass die Diffusion von Innovationen unter bestimmten Bedingungen vergleichbare Abläufe aufweist, die sich aus der Untersuchung der genannten Aspekte ableiten lassen. Die Variation bestimmter Rahmenbedingungen hätte folglich direkten Einfluss auf den Ablauf (Geschwindigkeit / Vollständigkeit der Übernahme durch die gesamte Gesellschaft) und die Strukturierung des Innovationsübernahmeprozesses. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach demographischen, ökonomischen und sozialen Einflussfaktoren ebenso wie nach der Rolle der physischen Umwelt sowie des Klimas, wobei die Ausbreitung einer Innovation nicht nur funktional oder adaptiv interpretiert werden darf.

Durch den systematischen Vergleich ausgewählter Fallbeispiele soll nach regelhaften Verlaufsmustern sowie Korrelationen zwischen Kontext und Ablauf gesucht werden. Bestätigt sich die Hypothese, dass Innovationsprozesse nach vergleichbaren Mustern ablaufen, soll mithilfe der vergleichenden Untersuchungen ein übergeordnetes Modell zu Diffusionsprozessen in der Urgeschichte erarbeitet werden.