The Divine as a Resource: Commodification of Religious Values During Nabakalebara and Ratha Yatra (Puri, Odisha)

→ Cora Gäbel

Einleitung

Viele Hindus investieren große Geldsummen, um besonders wertgeschätzte Gottheiten wenigstens ein Mal in ihrem Leben zu besuchen. Wenn sie den Schrein ihrer Gottheit erreichen, schenken, stiften und spenden sie; manchmal versprechen sie sogar, für einen besonderen Dienst über einen festgelegten Zeitraum zu zahlen. Diese Ausgaben werden aus religiöser Hingabe gemacht und in manchen Fällen in der Hoffnung auf materielle oder außerweltliche Belohnungen in diesem oder dem nächsten Leben.

Mein Forschungsprojekt geht der Kernfrage nach: was sind die verschiedenen ökonomischen Dimensionen hinduistischer Pilgerschaft? Diese Dimensionen beinhalten verschiedene Personengruppen und Transaktionsmodi. Meine Forschungsfrage werde ich im Kontext von zwei hinduistischen Festen untersuchen. 2015, nach neunzehn Jahren, feiert der Jagannatha-Tempel in Puri (Odisha, östliches Indien) die Erneuerung seiner Gottheiten (nabakalebara). Die hinduistische Gottheit Jagannatha und seine Geschwister sind aus Holz gefertigt und müssen daher regelmäßig erneuert werden. Die Erneuerung kulminiert im Wagenfest (ratha yatra). Dieses Fest wird jährlich gefeiert, ist aber besonders auspiziös im Jahr der Erneuerung: Millionen Pilger reisen nach Puri, um die erneuerten Gottheiten zu sehen. Für diesen Zweck bereiten Administratoren des Tempels, der Stadt und des Staates Puri vor, um die Pilgermassen zu organisieren.

Kontext der Forschung

Viele Wissenschaftler haben verschiedene Aspekte der Pilgerschaft in Südasien untersucht, aber kein Wissenschaftler hat bisher die ökonomischen Dimensionen als solche analysiert. Ich habe die zuvor genannten Feste als ethnographische Beispiele gewählt, die beide in und teilweise um Puri begangen werden. Seit Jahrhunderten ist Puri ein wichtiges Pilgerschaftszentrum. Die Stadt und die ihr vorstehende Gottheit, Jagannatha, erlangten große Bekanntheit während der britischen Kolonialherrschaft, als Berichte einer barbarisch gefertigten Gottheit auf einem riesigen Wagen Europa erreichen. Bis heute beschreibt der englische Malapropismus ‚juggernaut‘ metaphorisch eine gewaltige und nicht aufzuhaltende Macht. Durch Puris Lage am Meer ist die Stadt ein beliebtes Reiseziel und ökonomisches Zentrum.

Bevor ein Hindu auf eine Pilgerschaft geht, muss er oder sie rituelle und weltliche Vorbereitungen treffen. Da die rituellen Vorbereitungen umfangreich behandelt wurden, wird meine Arbeit die weltlichen, ökonomischen Aspekte fokussieren. Allerdings ist diese Unterscheidung ein wenig künstlich; Pilger unterscheiden nicht zwischen rituellen und weltlichen Vorbereitungen. Ich werde weiterhin die Ausgaben während der Pilgerschaft untersuchen. Heutzutage müssen viele Gläubige ihre Pilgerschaft auf eine schnelle Reise zum Ort der Pilgerschaft und einen Aufenthalt von wenigen Tagen beschränken. Schließlich werde ich den ökonomischen Kontext am Ort der Pilgerschaft untersuchen. Diese ökonomischen Aspekte sind bedeutsam für jede Pilgerschaft und beeinflussen die gewählten Mittel und Bedingungen.

Mein Forschungsprojekt wird nicht nur die Ausgaben der Pilger und das Einkommen der ‚Dienstleister‘ illustrieren. Es wird weiterhin untersuchen, inwiefern Pilgerschaft ökonomischen Transaktionen unterliegt und ökonomische Sprache funktional für religiöse Handlungen ist (und vice versa). Diese Fragen werden die untersuchten religiösen Handlungen, die Pilgerschaft und assoziierte Tätigkeiten und Prozesse, mit einem greifbaren, monetären (zusätzlich zum religiösen) Wert besetzen. Entsprechend dem zuvor Ausgeführten erwarte ich jedoch keine eindeutige Trennung zwischen der ökonomischen und der religiösen Sphäre der Pilgerschaft.

Forschungsmethoden

Ich werde meine ethnographische Dissertation mit Hilfe von zwei anthropologischen Hauptmethoden anfertigen: die teilnehmende Beobachtung und qualitative Interviews. Da ich mich hauptsächlich mit den mikroökonomischen Dimensionen der Pilgerschaft befasse, die sich von einem Individuum zum anderen unterscheiden, bin ich mehr an den verschiedenen Erfahrungen von bestimmten Personen als an statistischen Durchschnittswerten interessiert. Entsprechend werden die durch Feldforschungen erhobenen Daten qualitativ ausgewertet. Die gewählten Methoden werden es mir ermöglichen, einen ethnographischen Bericht anzufertigen, der die Einstellungen der involvierten Personengruppen während der untersuchten Feste als Kollektiv und als Individuen widerspiegeln.

Ich werde Pilgerschaften, Feste und wichtige Pilgerstätten hauptsächlich als Teilnehmer beobachten und einzelne Pilgergruppen begleiten. Auf diese Weise werde ich Informationen sammeln, die einige meiner Fragen beantworten werden und wahrscheinlich zu neuen, vielversprechenden Fragen führen werden. So häufig wie möglich werde ich bei diesen Gelegenheiten informelle Konversationen führen, die auf einem vorbereiteten Fragebogen basieren.

Außerhalb dieser formalen Gelegenheiten werde ich zusätzlich halbstrukturierte Interviews mit Pilgern, Ritualspezialisten, Handwerkern, Geschäfts- und Hotelinhabern, Administratoren und Repräsentanten des Tempels, der Stadt und des Staates führen. Ich werde die Fragebögen auf Englisch, Hindi und Odia vorbereiten, so dass ich meine Fragen den meisten Informanten stellen kann. Auf dieses Weise werde ich Informationen erheben, die ich nicht durch teilnehmende Beobachtung und informelle Konversationen sammeln konnte. Obwohl ich meine Fragebögen fortlaufend überarbeiten werden, um sie den neuesten Ergebnissen anzupassen, wird die Struktur der Fragebögen die Daten vergleichbar machen.

 

Bild links: Gundica Mandir, Ziel des Wagenfestes

Bild rechts: Jagannath Mandir, Tempel Jagannathas und seiner Geschwister

 

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Dissertationsprojekt
Betreuer: Prof. Dr. Michael Bollig, Prof. Dr. Bethany Walker, Prof. Dr. Roland Hardenberg