Heilung und ihr Preis – Ökonomie der Asklepiosheiligtümer

→ Franziska Weise

Das Dissertationsvorhaben möchte einen Beitrag zur Erforschung der Ökonomie sakraler Wirtschaftsräume leisten. Als zentrale Kultorte nehmen Heiligtümer eine wichtige Position im Leben der Polisgemeinschaft ein – zumal sie in der Regel von der Polis selbst mitfinanziert und -organisiert wurden. Einnahmen, Weihungen, Land und Vieh des Heiligtums standen in Besitz der Gottheit und bedurften der Verwaltung durch menschliche Hand. Die Heiligtümer des Asklepios erfüllten zusätzlich die Funktion von Kur- und Heilbetrieben, verfügten über Bäder und heiße Quellen, einem Inkubationsraum und Geschichten von Wunderheilungen. Zumeist an Orten mit bereits fest etablierten Kulten gegründet, stellten sie zwar vergleichsweise späte aber dann stark verbreitete und florierende Lokalitäten des Heilkultes dar. Im Zentrum der Betrachtung steht daher die hellenistische und römische Zeit, in der die Verbreitung und Praxis des Heilkultes am höchsten war. Zur Untersuchung der Wirtschaftlichkeit dieser Kurorte sollen auf folgende Fragen Antworten gefunden werden: Wie funktionierten Heilangebot und Finanzierung der Heiligtümer? Wer waren die Akteure? Inwiefern agierten diese Kultorte eigenständig oder waren ökonomisch abhängig von Polis und Umland? Können Strategien zur Steigerung der Prosperität nachgewiesen werden oder diente die „heilige“ Ökonomie lediglich dem Selbsterhalt? Anhand des epigraphischen und archäologischen Materials sollen diese Kurbetriebe untersucht und aufgearbeitet werden, um ihre wirtschaftliche Signifikanz auf der Mikro- sowie auf der Makroebene festzustellen – für die Heiligtümer selbst sowie für ihr Umland und überregional.

 

 

Bild links oben: Relief Asklepios und Hygieia, Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin

Bild rechts: Thesauros im Tempel B, Asklepieion von Kos

Bild links unten: Dekret zur Einrichtung eines Thesauros, IG XII 4,1,71, Asklepieion von Kos

 

Dissertationsprojekt
Betreuer: Prof. Dr. Kaja Harter-Uibopuu, Prof. Dr. Walter Ameling