Economic systems of daily life in Classic Maya society: A household based approach

→Els Barnard

Wirtschaftssysteme in Mesoamerika wurden in verschiedenen Sphären geformt, sowohl in der öffentlichen als auch in der privaten, sowohl in der Elite als auch in der Unterklasse. Seltene Materialien wurden über große Distanzen transportiert und ausgetauscht. Die Produktion von Gütern erfolgt auf der Basis regionaler, bezirks- und haushaltsspezifischer Spezialisierungsprozesse, wobei alltägliche Güter oft nach Bedarf von Haushaltsgruppen hergestellt wurden. Um das Wirtschaftssystem des Maya-Gebietes besser zu verstehen, wird dieses Projekt einen haushaltsbezogenen Ansatz verfolgen. Das Projekt fragt danach, wie die Produktion, der Austausch und der Verbrauch von Materialien und Artefakten organisiert und mit dem Alltag verflochten waren und wie Haushalte in das Wirtschaftssystem in der  klassischen Maya-Gesellschaft integriert wurden.

Abbildung 1: Lage der archäologischen Stätte von Uxul

Die Grabungsdokumentation von Uxul, Mexiko, wird als Fallstudie dienen. Der Fundort befindet sich in der Nähe des politischen Zentrums von Calakmul. Es handelt sich um eine Siedlung der klassischen Periode, die im Zeitraum zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert n.Chr. florierte. Bisher wurde eine 2.5 km2 grosse Siedlungsfläche kartiert, aber es wird geschätzt, dass die gesamte Ansiedlung eine Fläche von etwa 5 km2 eingenommen haben könnte. 758 Baustrukturen, die sich 76 Gruppen zuordnen lassen, sind bislang identifiziert worden. Es wird geschätzt, dass die Bevölkerung zur Zeit der groeßten Ausdehnung etwa 5000 bis 7000 Einwohner besaß. Seit 2009 finden regelmäßig Ausgrabungen und Surveys in Uxul statt.

Abbildung 2:Übersichtskartevon Uxul mit den identifizierten Strukturen

 

Fragestellung

Wie waren die Haushalte in das Wirtschaftssystem der klassische Maya Gesellschaft integriert?

  • Welche produktiven und konsumtiven Aktivitäten  fanden im Haushalt statt? Wer war an der Produktion von Artefakten beteiligt?
  • Welche Beziehungen existierten zwischen den Produzenten und Konsumenten alltäglicher und seltener Artefakter? Welche Rückschlüsse lassen sich aus der Verteilung der produktivern und konsumtiven Aktivitäten  in Bezug auf die Beziehungen innerhalb und zwischen einzelnen Haushalten und Gruppen von Haushalten ziehen?
  • Welche Beziehungen zwischen Fernhandel und siedlungsinternen Austauschprozessen können auf Haushaltsebene identifiziert werden?
  • Welche Faktoren beeinflussten die Organisation von Wirtschaftsprozessen?
  • Welche Systeme waren vorhanden, um diese wirtschaftlichen Prozesse zu regulieren?

 

Forschungsmethoden

Um die Forschungsfragen zu beantworten, werden Daten aus einer Auswahl von Haushaltsgruppen aus verschiedenen Teilen der Siedlung analysiert und verglichen. Die ausgewählten Haushaltsgruppen unterscheiden sich vermutlich hinsichtlicht des sozioökonomischen Status ihrer Bewohner. Die Auswahl der Gruppen erfolgte auf der Basis der bereits vorhandenen archäologischen Daten. Zusätzlich soll im Zuge der Untersuchung ein Haushalt oder ein Cluster von Haushalten von relativ geringem sozioökonomischem Status ausgewählt, archaeologisch untersucht und in die Analyse einbezogen werden.

Während in den letzten Jahren die Haushaltsarchäologie der alten Maya enorme Fortschritte gemacht hat, wissen wir immer noch sehr wenig ueber das  alltägliche Leben von Angehörigen der unteren Klassen.

Von besonderer Bedeutung für die Untersuchung sind Daten, die Auskunft über die Herstellung und Verwendung von Kleinfunden liefern und Rückschlüsse in Bezug auf den sozialen Kontext erlauben, indem sie verwendet wurden. Die Analyse der Daten konzentriert sich auf die soziale Organisation von Wirtschaftstätigkeiten, auf materielle Faktoren, die die Art und Weise wie diese organisiert wurden beeinflusst haben, auf den Zugang zu Rohstoffen und auf den Verbrauch der fertigen Produkten. Durch die Kombination dieser Themen kann ein Überblick über die verschiedenen Faktoren gegeben werden, die für die Organisation von Produktion, Austausch und Konsumtion von Bedeutung sind. Mit Hilfe eines haushaltsbezogenen Ansatzes lässt sich die Art und Weise, wie diese Dynamiken in das tägliche Leben der Uxul-Gesellschaft einfügten, untersuchen.

 

Abbildung 3: Teilweise ausgegrabene Hausstruktur, Uxul

 

Ziele

Im Ergebnis wird das Projekt zu einem besseren Verständnis des Wirtschaftssystems der klassischen Maya beitragen. Ein haushaltsbezogener Ansatz besitzt das Potential, neue Erkenntniss darüber zu gewinnen wie sich lokale und überregionale Aspekte der damaligen Ökonomie im Alltagsleben des Maya-Zentrums von Uxul manifestierten. Durch die Auswahl von häuslichen Assemblagen aus unterschiedlichen sozioökonomischen Kontexten kann ein Überblick darüber erarbeitet werden wie die Haushalte in das ökonomische System der Siedlung integriert waren. Im nächten Schritt können die Ergebnisse mit den Datensätzen anderer nahe gelegener Maya-Siedlungen verglichen werden. Auf diese Weise können die untersuchten Assemblagen in einen größeren Zusammenhang gestellt werden, so dass wir ihre Rolle in weiteren ökonomischen Netzwerken besser verstehen können, anstatt sie als isolierte Einheiten zu studieren. Das Ziel dieses Projektes ist es Faktoren zu identifizieren, die im Hinblick auf das untersuchte Wirtschaftssystem Bedeutung besassen.  Diese Faktoren können mit Phänomenen in anderen Weltregionen/Zeiten verglichen werden und somit zu einer breiteren Auseinandersetzung mit den Funktionsweisen vormoderner Ökonomien beitragen.

 

Betreuer: Prof. Dr. Nikolai Grube, Prof. Dr. Richard Bußmann