Die Nachfrage von spezifischen Holzarten im Handwerk der Antike – Eine landschaftsökologische Standortanalyse

→Roman Palkoska

Ziel dieser Arbeit ist, eine neue, differenzierte Betrachtungsweise auf Holz als Rohstoff für die vormodernen Wirtschaftsräume des Mittelmeerraumes zur Römischen Kaiserzeit zu gewinnen.

Dabei gilt es die Nachfrage nach bestimmten Holzarten mit spezifischen Materialeigenschaften zu untersuchen. Ebenso ist die Landschaftsheterogenität des Mittelmeerraumes zu beachten, die aufgrund unterschiedlicher Standortfaktoren das Wachstum bestimmter Baumarten begünstigt, hemmt oder verhindert.

Modellvorstellungen, dass größere Siedlungen ihren gesamten Holzbedarf aus ihrer eigenen Peripherie decken konnten, sind anzuzweifeln, wenn die Peripherie dieses Siedlungszentrums das Wachstum bestimmter Holzarten gar nicht zugelassen hätte. Bezogen etwa auf den spezifischen Holzbedarf für Schiffswerften an der Küste hat bereits Plinius auf das Problem der entfernten Standorte hingedeutet: „In ähnlicher Weise [wie die Fichte] hat die für den Schiffbau begehrte Tanne ihren Standort auf den Bergeshöhen, als würde sie vor dem Meer fliehen“ (Plin. Nat. Hist. 16, 42).

 Nicht nur antike Schriftquellen, sondern auch neuere archäologische Arbeiten bestätigen eine gezielte Anwendung von spezifischen Holzarten für bestimmte Bauteile in Schiffswracks (vgl. Giachi et al. 2017). Wenn bei bestimmten Handwerken, wie etwa dem antiken Schiffsbau, bereits eine gezielte Nachfrage nach Holzarten mit spezifischen Materialeigenschaften existiert haben soll, dann müsste es zu einem Import von bestimmten Holzarten aus unterschiedlichen Regionen gekommen sein. Zu einer solchen planmäßigen Materialbeschaffung wäre jedoch eine Logistik erforderlich gewesen, deren Grundlage ein Fachwissen zu spezifischen Materialeigenschaften sowie ein landschaftsökologisches Verständnis von unterschiedlichen Waldstandorten gewesen wäre: Denn während aus einer sehr allgemeinen Perspektive her betrachtet beispielsweise Steineichen (Quercus ilex) und See-Kiefern (Pinus halepensis) zwar in Küstennähe vorkommen, wachsen Pappeln (Populus) und Weiden (Salix) in Auwäldern in der Nähe von Fließgewässern, Ulmen (Ulmus) und viele laubabwerfende Eichenarten (Quercus) in Ebenen mit tiefgründigen Böden und Fichten (Picea) und Tannen (Abies) in den azonalen Gebirgsregionen des Mittelmeerraumes, die sogar zwei Drittel der mediterranen Festlandfläche ausmachen (vgl. Wagner 2011, 119 f.). Neben dieser Vernetzung unterschiedlicher Waldstandorte innerhalb der ausgeprägten mediterranen Landschaftsheterogenität hätte eine derartige Logistik Transportprobleme von unhandlichen Baumstämmen lösen müssen und Strategien entwickeln müssen, um Transportkosten möglichst gering zu halten.

Die Forschungsfragen, die sich durch den oben angerissenen Themenkomplex für diese Arbeit ergeben, sind:

 

  1. Gab es eine spezifische Verwendung von bestimmten Holzarten im Handwerk der Antike?
  2. Hat eine spezifische Verwendung von bestimmten Holzarten zwangsläufig zu einer gezielten Nachfrage dieser geführt?
  3. Aus welchen Regionen mit welchen spezifischen Standortfaktoren stammten bestimmte Holzarten?
  4. War zur Deckung dieser Nachfrage ein Import von außerhalb und somit eine Logistik erforderlich?
  5. Ist es zu einer Vernetzung von unterschiedlichen Waldstandorten aus unterschiedlichen Landschaften gekommen?

 

Um die oben genannten Fragen zu klären, folgt diese qualitativ ausgerichtete Arbeit einer dreigliedrigen Struktur:

 

Phase 1 dieser Arbeit nimmt die Recherche zur Verwendung von spezifischen Holzarten im Handwerk ein. Dabei ist innerhalb der Archäologie die Untersuchung des Materials „Holz“ problematisch, da es im Gegensatz zu Keramiken sowie zu Gegenständen aus Bronze, Eisen, Kupfer, Blei und Glas schnell verrottet und daher nur wenige antike hölzerne Fundstücke erhalten geblieben sind. Es soll daher eine Übersicht und Zusammenfassung unterschiedlicher Holzfunde aus der Antike erreicht werden. Die unterschiedlichen Holzarten werden entsprechend ihrer Verwendungszwecke in eine Datenbank eingepflegt. Aussagen in antiken Schriften zum spezifischen Umgang mit Holzarten werden ergänzt und entsprechend vermerkt. Diese Holzdatenbank soll mittelfristig dem Graduiertenkolleg sowie der Allgemeinheit öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies eröffnet durch eine nachhaltige Speicherung und Zurverfügungstellung der Daten auch für andere folgende Forschungsarbeiten.

Phase 2 dieser Arbeit nimmt die ökologische Analyse ein. Die Holzarten, die in der Datenbank aufgenommen wurden, werden entsprechend ihrer tatsächlichen Fundorte einerseits und ihrer ökologischen Standortfaktoren andererseits analysiert. Detailliertere klimatische, bodenkundliche und geomorphologische Aspekte werden entsprechend der Umweltansprüche einbezogen. Es wird angestrebt, eine Datenbank potentiell wirtschaftlich relevanter Holzarten (siehe Phase 1) der Allgemeinheit frei zur Verfügung zu stellen, um eine fortlaufende Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Phase 3 kommt der landschaftsökologischen Analyse der entsprechenden Holzarten mit Hilfe eines Geographischen Informationssystems (GIS) zu. Die Verbreitungsgebiete der entsprechenden Baumarten werden kartiert. Hier wird auf vorhandene Datensätze zu Verbreitungsgebieten, bodenkundlichen Standortfaktoren, klimatischen, hydrologischen und reliefspezifischen Bedingungen zugegriffen. Zusätzlich werden die Datensätze mit denen aus der vorangegangenen ökologischen Analyse kombiniert, um ein noch detaillierteres Abbild zu gewinnen. Es erfolgt ein Vergleich der Nachfrage von bestimmten Holzarten mit dem natürlichen Angebot des Verbreitungsgebiets von Baumarten durch GIS-basierte Spatial-Analyis-tools sowie Cost-Distance-Analysen zwischen potentiellen Einschlagsgebieten und Produktionsstätten.

Der dreigliedrige Aufbau der Arbeit dient nicht nur einer gezielten Strukturierung dieser Arbeit, sondern ermöglicht durch den klaren Fokus auf die jeweiligen Zwischenziele eine schnelle Bearbeitung des Promotionsprojektes. Die neue landschaftsökologische Herangehensweise an diese Thematik stellt kein Hindernis dar: Der Verfasser dieser Arbeit hat einen Masterabschluss in Landschaftsökologie. Die Kooperation zwischen der Historischen Geographie der Universität Bonn, dem DFG-Graduiertenkolleg vormoderner Wirtschaftsräume und der Arbeitsgruppe für Vegetationskunde und Biogeographie des Karlsruher Instituts für Technologie schaffen darüber hinaus die interdisziplinären Rahmenbedingungen, die eine ideale Bearbeitung dieses Themenkomplexes ermöglicht.

 

Literaturverzeichnis

Giachi, G., Capretti, C., Lazzeri, S., Sozzi, L., Paci, S., Mariotti Lippi, M. u. Nicola Macchioni (2017): Identification of wood from Roman ships found in the docking site of Pisa (Italy). In: Journal of Cultural Heritage 23, S. 176–184.

Plinius Secundus, G. (1991): Naturalis Historiae. Botanik: Waldbäume. Herausgegeben und übersetzt von Roderich König in Zusammenarbeit mit Joachim Hopp. Sammlung Tusculum lateinisch – deutsch Buch 16. (Artemis & Winkler) München, Zürich.

Wagner, H.-G. (20112., vollst. überarb. Aufl.): Mittelmeerraum. [Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik]. /WBG-Länderkunden]. (Wiss. Buchges) Darmstadt.

 

Betreuer: Prof. Dr. Winfried Schenk, Prof. Dr. Silviane Scharl, Prof. Dr. Sebastian Schmidtlein