Dendroarchäologische Untersuchungen frühmittelalterlicher Siedlungen in der Münchner Schotterebene und im Unteren Isartal

→ Julia Weidemüller

Erforscht werden Hölzer frühmittelalterlicher Siedlungen im Einzugsgebiet der Isar von der Münchner Schotterebene bis zur Isarmündung in die Donau, einem schon in vorrömischer Zeit reich besiedelten Gebiet (Altsiedellandschaft). Es handelt sich also um einen Raum, der seit alters her von Menschen genutzt und durch die Isar verbunden ist. Untersucht werden die Holzfunde mehrerer frühmittelalterlicher Epochen (Merowinger- bis Salierzeit), wobei der Schwerpunkt auf der Wasserversorgung liegt. Diese willkürliche, siedlungsübergreifende Grenze wurde wegen verschiedener Aspekte gewählt. Zum einen häufen sich in diesem Raum, durch Erhaltungsbedingungen und Grabungstätigkeit gefiltert, die frühmittelalterlichen Befunde mit guter Holzerhaltung. Zum anderen zeigten die Fundproben schon in den ersten Voruntersuchungen sehr gute Synchronisierbarkeit, was der angestrebten Auswertung entgegenkommt.

Das übergeordnete Flusssystem soll in der Auswertung eine Rolle spielen. Die Provenienz archäologischer Hölzer ist nicht immer gänzlich zu klären. Da im gewählten Zeitbereich keine Flößerei oder Drift bekannt ist, wird davon ausgegangen, dass die verwendeten Bauhölzer in direkter Umgebung, oder zumindest im Einzugsgebiet des Einsatzortes, geschlagen worden sind. Basierend auf diesem Fakt können Fundstellenchronologien erstellt werden. Als übergeordnete Chronologie werden diese Kurven zu Wuchsbezirks- und Wuchsgebietschronologien gebündelt, was für spätere Provenienzzuordnungen einen enormen Fortschritt bedeutet. Ziel des gewählten Rasters ist es zusätzlich, eine erste Flusssystemchronologie im südbayerischen Raum zu bilden, die, verlängert um die hochmittelalterlichen Chronologieabschnitte den Beginn der Flößerei und damit die Erschließung, siedlungsferner Waldgebiete in der montanen Höhenstufe des nördlichen Voralpengürtels erfassen soll.

Ein siedlungsarchäologischer Ansatz ist mit der Untersuchung der Brunnen gegeben. Es soll neben einer genaueren Betrachtung von Konstruktions- und Bauweise sowie Nutzungsdauer versucht werden, anhand der zeitlichen Abfolge und des Standorts des Brunnens, herauszufinden, ob Rückschlüsse auf die Bevölkerungsdichte oder, in Kombination mit hydrologischen Untersuchungen (wenn vorhanden), des Versorgungsstands der frühmittelalterlichen Siedlungen möglich sind. Hilfreich könnte hierfür ein Vergleich mit Belegungszahlen schon untersuchter Gräberfelder oder bestehenden demographischen Analysen sein.

Das primäre Ziel der Dissertation ist es, durch weitergehende Forschungen in der Altsiedellandschaft an der Isar Erkenntnisse zur anthropogenen und natürlichen Historie zu gewinnen. Die bestehenden Ergebnisse sollen erweitert und verknüpft werden und einen Beitrag zur Entwicklung von Siedlung und Umland liefern. Fragestellungen ökonomischer, kulturgeschichtlicher, geographischer, klimatischer und vegetationsgeschichtlicher sowie ökologischer Natur sollen durch das in den Jahrringen geprägte Archiv im Holz beantwortet werden. Ein weiteres Ziel ist der Ausbau der dendrochronologischen Kurven zur besseren Datierung und Provenienz. Ebenso sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Konstruktions- und Bauweise frühmittelalterlicher Brunnen verschiedener Siedlungen im abgesteckten Areal erarbeitet werden, um einen technikgeschichtlichen Abschnitt der Holzbearbeitung im frühen Mittelalter zu skizzieren.

 

Dissertationsprojekt 
Betreuer: Prof. Dr. Winfried Schenk, Prof. Dr. Andreas Zimmermann