Ägyptische Ressourcengewinnung als wirtschaftsarchäologisches Problem

→ Tobias Gutmann

Wird in der Ägyptologie von Wirtschaft gesprochen, so bezieht sich dies meist auf textliche Quellen; seien es Expeditionsinschriften, Listen oder administrative Texte. Eine systematische Verknüpfung von textlichen Quellen mit archäologischen Quellen und räumlichen Analysen wurde bisher nicht versucht. Dies erscheint jedoch dringend notwendig, um die Ökonomie des ägyptischen (Staats-)Haushalts verstehen und modellieren zu können. Im Rahmen des Dissertationsprojektes soll dies beispielhaft an den Formen ägyptischer Ressourcengewinnung untersucht werden. Exemplarisch sollen verschiedene Materialen – sowohl solche aus dem ägyptischen Kernland als auch importierte Waren ‑ hinsichtlich mehrerer Faktoren untersucht werden: zunächst nach dem ideellen Wert den das Material in der Gesellschaft spielt. Dieser lässt sich am anteiligen, quantitativen Vorkommen im archäologischen Material als auch Niltal_Karte (453x640)vergleichend aus den sogenannten Opferlisten ziehen. Zudem die Zugänglichkeit des Materials um zu überprüfen wo ist dieses Material global auftritt und welche Orte für Ägypten erreichbar und zugänglich sind. Dieser Bereich wird vor allem durch eine Analyse in einem Geographischen Informationssystem erfolgen, in dem alle nötigen Daten, wie Topographie, Ressourcenquelle, usw. erfasst werden. Der dritte Punkt behandelt die Logistik und steht in direktem Bezug zur Zugänglichkeit. Er bewertet den wirtschaftlichen Aufwand, der betrieben werden muss, um eine Ressource zu gewinnen. Dies beinhaltet den Aufwand für Abbau, Personal, Transport, Verpflegung, usw. Informationen hierfür können aus Expeditionsberichten, archäologischen Daten und mittels GIS berechnet werden. Der letzte Aspekt behandelt das soziale Umfeld. Dieser umschreibt zum einen den Personenkreis, der an der Rohstoffgewinnung beteiligt ist, von der Leitung bis zum einfachen Arbeiter, und zum anderen die sozialen und kulturellen Umstände, die den Rahmen des Materialabbaus bilden, also: die Wohnsituation, die sozialen Strukturen und auch Religiosität. Durch Untersuchung von Expeditionsberichten, Felsinschriften und archäologischen Daten ist der Bereich des sozialen Umfelds zu bearbeiten.

Auf Basis dieser Daten sollen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Art und Form ägyptischer Ressourcengewinnung identifiziert werden, um daraus Rückschlüsse über die ägyptische Gesellschaft und Territorialität zu erhalten sowie ein übergreifendes Modell des ägyptischen Wirtschaftsraumes zu entwickeln.

Dissertationsprojekt
Betreuer: Prof. Dr. R. Bußmann,  Prof. Dr. A. Zimmermann