Workshop zur Wirtschaftsarchäologie in London (Archäologie des Themse Ästuar) und Oxford (Treffen mit Vertretern des Oxford Roman Economy Project)

Vom 9. bis zum 13. November 2015 organisierte das Graduiertenkolleg 1878 „Archäologie vormoderner Wirtschaftsräume“ einen Workshop in England. Dieser beschäftigte sich mit den Hauptforschungsschwerpunkten: Wirtschaftliche Netzwerke, Siedlungszentren und ihr Umland sowie religiöse Institutionen als ökonomische Einheiten. Das Programm beinhaltete fortbildende Exkursionen, Museumsbesuche, Gruppenseminare und Diskussionen und bot Gelegenheit zum Austausch mit anderen Wissenschaftlern, die sich mit den gleichen Inhalten befassen.

Während unseres Aufenthaltes in London erkundete das Kolleg das wirtschaftliche Leben um die Themse. Damit verbunden war eine Bootsfahrt zu den Stätten von diachron-wirtschaftlicher Bedeutung entlang des Flussverlaufs und ein Besuch des Museum of London Docklands, das eine Einsicht in die sozio-ökonomische Geschichte der Stadt bot. Dadurch angeregt wurde ein Diskussionsseminar organisiert in dem verschiedene Aspekte und Fragen besprochen werden konnten: Produktion und Handel, Sklaverei und Ökonomie, wirtschaftliche Transformationsprozesse, wirtschaftliche Netzwerke, Vergleiche zwischen modernen und vormodernen Wirtschaftssystemen und die Rolle des Flusses im Wirtschaftsleben vormoderner Gesellschaften.

Im weiteren Verlauf des Workshops wurde das British Museum besucht, das einen Nukleus weltweiter Sammlungen bildet, die von direktem Interesse für den weiten chronologischen und geographischen Rahmen des GRKs sind: West- und Mitteleuropa, die mediterrane Welt und die Levante, Asien und Amerika wurden thematisiert. Weil der direkte Kontakt mit dem Material die Bibliotheksarbeit nicht ersetzen kann, ermöglichte diese Abwechslung einen frischen Blick auf die verschiedenen wirtschaftlichen Aspekte, die im Rahmen des Kollegs derzeit bearbeitet werden.

Auf dem Weg nach Oxford erhielt das Kolleg, geführt durch den Kollegen Barney Harris des University College London, einen tiefergehenden Einblick in die prähistorischen Stätten von Avebury und Stonehenge. Beide Stätten sind Teil eines außergewöhnlichen Spektrums an neolithischen und bronzezeitlichen Kultplätzen, die eine weitreichende sakrale und politisch-ökonomische Landschaft formten.

Während unseres Aufenthalts in Oxford besuchte die Gruppe das Balliol College und wurde in das akademische Leben der Universität Oxford eingeführt. Zentral war das Treffen mit den Kooperationspartnern vom Oxford Roman Economy Project, Andrew Wilson und Alan Bowman, von denen letzterer bereits einen Gastvortrag im Rahmen des jour fixe des GRKs gehalten hat, sowie Oxforder Doktorand/innen. Der Workshop diente insbesondere der internationalen Vernetzung und der Qualifikation der Kollegiaten und Kollegiatinnen. Das Oxford Roman Economy Project beschäftigt sich mit den “fundamental issues of the Roman imperial economy and analyses all major economic activities (including agriculture, trade, commerce, and extraction), utilising quantifiable bodies of archaeological and documentary evidence and placing them in the broader structural context of regional variation, distribution, size and nature of markets, supply and demand” ( http://www.romaneconomy.ox.ac.uk/ ). Im Rahmen des Workshops wurden durch die Sprecher der beiden Gruppen (Oxford und Bonn/Köln) die jeweiligen Projekte vorgestellt. Außerdem wurden die unterschiedlichen Datenbanken präsentiert und Raum für die Doktoranden und Doktorandinnen geboten, ihre Forschungsarbeiten zu diskutieren. So wurde ein Forum für weiterführende Kooperationen geschaffen, das eine zukünftige Zusammenarbeit, sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene, ermöglichen soll. Es wurden die Möglichkeiten diskutiert, die Ergebnisse der beiden Datenbanken zusammenzuführen sowie gemeinsame Veranstaltungsformate angedacht.

Prof. Dr. Jan Bemmann und Susanne Reichert trafen sich ferner mit Dr. Bryan Miller, der ein Humboldt Stipendium im Institut für Vor- und Frühgeschichte in Bonn absolvierte. Derzeit arbeitet dieser in Oxford am Nomadic Empires project,das aktuell durch den Europäischen Forschungsrat (ERC) gefördert wird. Das Hauptanliegen des Projekts betrifft die Erforschung nomadischer Systeme weltweit und unter ihren jeweiligen Konditionen und bietet so eine weite vergleichende Perspektive zu den nomadischen Reichen und deren Geschichte (http://www.rai.ox.ac.uk/nomadicempires). Die Themen des Nomadic Empires projects sind auch für die Forschungsprojekte einiger unserer Kollegiaten von zentraler Bedeutung.

Der London-Oxford Workshop stellte eine Bereicherung für die Kollegiaten und Kollegiatinnen dar. Bedingt durch den weiten geographischen und chronologischen Rahmen, der dabei umspannt wurde, wurden alle Mitglieder des GRKs angesprochen. Er bot gleichzeitig Möglichkeit zur Verständigung mit anderen internationalen Wissenschaftlern und Forschungsgruppen in England und förderte die Sichtbarkeit des Kollegs für eine weitere Hörerschaft, die sich ebenfalls mit vormodernen Wirtschaften beschäftigt.

 

  • Datum/Zeit: 09.11.2015 - 13.11.2015, Ganztägig


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