Workshop „Gewalt und Wirtschaft in antiken Gesellschaften“

Interdisziplinäres altertumswissenschaftliches Nachwuchskolloquium 

Gewalt ist ein allgegenwärtiges Phänomen und ein ständig wachsendes Forschungsfeld innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften. Auch die Altertumswissenschaften haben in den letzten 20 Jahren physische Gewalt als Forschungsgegenstand entdeckt und Gewalthandlungen und -repräsentationen in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen mittlerweile intensiv untersucht.

Lediglich für den Bereich der antiken Wirtschaft liegen in diesem Zusammenhang kaum einschlägige Untersuchungen vor. Zwar haben Gruppen wie Piraten und Räuber einige Aufmerksamkeit erfahren, doch interessierte man sich hierbei zumeist für ihre soziale Randständigkeit, während man die Konstitution dieser Gruppen als ökonomisch motivierte Gewaltgemeinschaften vernachlässigt hat. In ähnlicher Weise werden die antiken Kriegswirtschaften in der Regel nur im Rahmen militärgeschichtlicher Untersuchungen behandelt. Der Einfluss von Gewalthandlungen auf das allgemeine Wirtschaftsleben wurde überhaupt noch nie systematisch erforscht, wobei diese Feststellung selbst für die Bereiche der antiken Hauswirtschaft und Sklaverei gilt. Dieses Forschungsdefizit ist wohl der dominierenden Auffassung der modernen Ökonomie geschuldet, die Wirtschaft und Handel grundsätzlich als „friedlichen“ Austausch definiert. Gewalt kann in dieser Sichtweise nur als zu beseitigendes „Problem“ aufgefasst werden. Dass Gewalthandeln auch rationalem Kalkül entspringen und nicht nur wirtschaftliche Strukturen zerstören, sondern auch hervorbringen, stabilisieren oder verändern kann, wurde bisher kaum thematisiert.

Eine phänomenologische Betrachtung des Komplexes „Gewalt und Wirtschaft“ erscheint als lohnendes Unternehmen. Im Zentrum der Nachwuchstagung soll daher ökonomisch motiviertes Gewalthandeln von Akteuren in antiken Gesellschaften stehen. Dies reicht von theoretisch-methodischen Beiträgen bis zu Fallstudien. Leitfragen der gemeinsamen Arbeit am Thema sind dabei:

– In welchen Bereichen und Situationen setzten antike Individuen und Gruppen Gewalt als Mittel zur Erreichung ihrer wirtschaftlichen Ziele ein?

– Welche Motivationen standen hinter dem Einsatz von Gewalt?

– Wie wurde der Einsatz von Gewalt durch Individuen oder Gruppen in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen bewertet?

– Wie veränderten sich Normen und Werte hinsichtlich des ökonomisch motivierten Gewalteinsatzes?

– Welche Maßnahmen wurden gegen den Einsatz von Gewalt in Wirtschaftsbeziehungen ergriffen?

Der interdisziplinäre Workshop richtet sich an Promovierende und Post-Docs aus allen altertumswissenschaftlichen Fachgebieten und soll den Teilnehmern die Möglichkeit eröffnen, eigene Forschungsprojekte und -ansätze zu einem gemeinsamen Oberthema vorzustellen. Neben dem fachlichen Austausch soll auf diese Weise die Vernetzung von Nachwuchswissenschaftlern untereinander gefördert und vertieft werden und in Zusammenarbeit mit dem DFG-Graduiertenkolleg 1878 „Archäologie vormoderner Wirtschaftsräume“ eine weitere Facette antiken Wirtschaftens beleuchtet werden.

Kontakt und Anmeldung:
Christian Weigel
E-Mail: c.weigel@uni-bonn.de

  • Datum/Zeit: 19.05.2016 - 20.05.2016, Ganztägig
  • Veranstaltungsort: Universität Bonn, Abteilung Alte Geschichte

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