Konferenz zu „Poverty in Early Civilizations“

 

Die internationale Tagung “Poverty in early civilizations: a comparative view” fand am 17. und 18. November 2017 an der Universität zu Köln statt. Knapp 70 Personen, sowohl aus dem Graduiertenkolleg „Archäologie vormoderner Wirtschaftsräume“, in deren Namen die Tagung veranstaltet wurde, als auch aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Fächer in Köln und Bonn, haben sich für die Konferenz registriert.

Die Tagung begann mit einer nicht öffentlichen Begrüßung und Einführung in das Thema. Die Referentinnen, Referenten, Postdoktoranden und Doktoranden des Graduiertenkollegs „Archäologie vormoderner Wirtschaftsräume“ haben sich vorgestellt und als Einstieg in die Tagung verschiedene Perspektiven auf das Thema Armut in der modernen Welt diskutiert.

Die Vorträge während der Tagung waren erwartungsgemäß heterogen, sowohl was die Quellenlage in unterschiedlichen antiken Weltregionen, als auch den Forschungsstand und verschiedene fachspezifische Forschungstraditionen angeht.

Der anthropologische Eröffnungsvortrag stellte das Phänomen des kommunalen Sharing in den Mittelpunkt und entwickelte die These, dass Armut eine Frage des Diskurses über Armut in den jeweiligen Gesellschaften ist. Danach würden sich u.a. „Arme“ als „arm“ bezeichnen, um ihrer Verpflichtung, zur kommunalen Versorgung beizutragen, zu entgehen. Der Beitrag stieß bei den Altertumswissenschaflterinnen und –wissenschaftlern auf besonders großes Interesse.

Die Beiträge aus der Alten Geschichte konnten sich auf relativ ausführliche literarische Quellen und Inschriften stützen. Hier spielte das Thema Sklaverei und die Frage nach den Handlungsoptionen von Abhängigen und Mittellosen eine besonders große Rolle.

Für die antiken Kulturen Mittelamerikas liegt eine Serie monumentaler Quellen und Inschriften, sowie archäologische Befunde vor. Beide Vorträge aus diesem Bereich haben sich mit quantitativen Studien dem Thema Ungleichheit und dem Fehlen eines schriftlichen Diskurses über Armut in der Maya-Kultur beschäftigt.

Die frühe Indus-Zivilisation steht noch am Beginn ihrer sozialarchäologischen Erforschung. Der Vortrag hat gezeigt, wie man sich über Produktionsmechanismen und gender Fragen an Themen wie soziale Ungleichheit herantasten kann.

Ähnlich ist das Bild in der Archäologie Südost-Asiens. Friedhofsbefunde aus dem spätbronzezeitlichen China deuten auf eine soziale Organisation der Bevölkerung in einzelne Verwandtschaftsklassen (lineage) hin, innerhalb derer starke Rangunterschiede zu beobachten sind. Armut, so die Hypothese, wäre demnach pro lineage zu untersuchen statt gesamtgesellschaftlich.

Die Beiträge aus Mesopotamien haben sich zum einen mit Arbeitsverträgen aus dem 1. Jts. v. Chr. und zum anderen mit Befunden aus der Staatsentstehungszeit um 3000 v. Chr. beschäftigt. Im ersten Falle können durchaus „prekäre Arbeitsverhältnisse“ rekonstruiert werden. Im letzteren Falle erschwert die einseitig auf Monumente und Schriftbefunde fixierte Dokumentationslage eine weitergehende Auswertung.

Die ägyptologischen Beiträge hoben in erster Linie auf eine qualitative Beurteilung von archäologischen Befunden, Texten und Bildquellen ab. Der erste Beitrag zeigte, dass selbst einfache Bestattungen und Häuser Referenzen zur Elitenkultur aufwiesen, aber vermutlich nicht mit den „relativ Armen“ des Elitediskurses gemeint sind. Der zweite Beitrag stellte den Unterschied zwischen Lebensverhältnissen derselben Personen zu Hause und bei ihrer Arbeit in den Königsgräbern des Neuen Reichs heraus.

Grundsätzlich herrschte unter den Referentinnen und Referenten Einigkeit, dass das Thema „Armut“ an sich sehr relevant für das Verständnis früher komplexer Gesellschaften, bislang jedoch noch nicht ausreichend erforscht ist. Aus diesem Grund wurde während der Tagung Abstand davon genommen, sich auf bestimmte Definitionen festzulegen und damit von vornherein den Untersuchungshorizont zu verengen, oft im Sinne von Definitionen, die an heutige Gesellschaften gekoppelt sind und nicht auf antike Gesellschaften übertragen werden können.

Aus den regen Diskussionen ging hervor, dass Armut eher in einem weiten Sinne verstanden werden sollte zur Erforschung der sozialen und kulturellen Disposition benachteiligter sozialer Gruppen, sowie der systemischen Mechanismen, die soziale Ungleichheit dauerhaft reproduzieren.

Eine Publikation der Tagungsakten ist in Absprache mit den Referentinnen und Referenten angestrebt, vermutlich in der Reihe „Studien zur Wirtschaftsarchäologie“, die vom Graduiertenkolleg „Archäologie vormoderner Wirtschaftsräume“ herausgegeben wird.

Die von der Competence Area IV zur Verfügung gestellten Gelder haben es ermöglicht, Gary Feinman und Lothar von Falkenhausen aus den USA einzuladen und damit zwei der prominentesten Vertreter ihres Faches für die Tagung zu gewinnen. Ihre Beiträge und die Möglichkeit für Studierende und die anderen Referentinnen und Referenten, mit ihnen zu diskutieren, haben sich als besonders fruchtbar erwiesen.

 

Wir danken der Competence Area IV für die finanzielle Unterstützung.

 

 

 

  • Datum/Zeit: 17.11.2017 - 18.11.2017, Ganztägig
  • Veranstaltungsort: Universität zu Köln, Hauptgebäude, Hörsaal XVIII

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